Tag 25 und 26

Innerhalb von 2 Stunden sind wir von Bungoma mit dem Matatu nach Kakamega gefahren. Zu Lenas Freude hat eine Frau ein Huhn mitgenommen, welches sich regelmäßig an ihre Beine geschmiegt hat. Nach der interessanten Fahrt wurden wir von Fahrer Frank und den 3 Studenten aus Kisii abgeholt und sind gemeinsam zu dem Wald gefahren. Amel (die Spanierin) kannten wir schon, mit Flo und Johannes hatten wir bisher nur geschrieben. Die beiden studieren in Göttingen und kommen jetzt auch ins 9. Semester. Es war sehr schön endlich mal wieder Gespräche mit anderen in der Heimatsprache zu führen.
Regenwald heißt kein Internet bzw. sehr schlechten (meist eher gar keinen) Empfang. Hätte man sich vorher denken können. Nach dem äußerst dekadenten Mittagessen ging es zu einem kurzen Spaziergang in den Wald, wir kamen mit den ersten Tropfen des Regens zurück. Außer uns waren noch weitere weiße Menschen vor Ort, von dem alltäglichen Leben Kenias bekam man hier allerdings nicht viel mit. Zum Abendessen gab es ein 3 Gänge Menu, wir waren alle sehr begeistert von dem europäisch angelehnten Essen. Weder Ugali noch Sukuma, stattdessen eine Kartoffelsuppe, gefolgt von Hähnchen mit Kartoffelbrei, Rüben und Spinat. Zum Nachtisch Eis mit Himbeersoße, kann man mal machen. Kaffee und Tee standen schon auf dem Zimmer bereit und nach ein paar (oder ein paar mehr) Blättern Papier war der Kamin an. Gemütlicher Abend, keiner hing am Handy und wir waren schon sehr gespannt auf den morgigen Tag.
5 Uhr aufstehen, auf geht’s zur Sonnenaufgangstour! Ein kurzes Stück an der Straße entlang (ein Pikipiki- und ein Fahrradfahrer waren schon unterwegs) und ab ging es einen kleinen Weg immer weiter den Berg hinauf. Bei kompletter Dunkelheit war das nicht so einfach, die Taschenlampen haben gottseidank etwas geholfen. Oben angekommen ist die Dämmerung bereits angebrochen, im Osten befanden sich aber natürlich Wolken. Nicht so schlimm, wir hatten trotzdem einen super Blick über den Großteil des nicht zu enden wollenden Regenwaldes. Nebel zog zwischen den Baumkronen entlang, vereinzelt gab es verschiedene Tierrufe. Diese wurden früher genutzt um auf die Zeit zu schließen, und tatsächlich: Um kurz vor 6 (unser Guide hatte uns darauf vorbereitet) fing ein neues Tier an seine Laute durch den Wald zu tragen, gefolgt von seinen Artgenossen. Langsam wurde es heller, Mond und Sterne verschwanden, wir konnten bei Helligkeit zurück gehen. Auf dem Rückweg sahen wir verschiedene Affen und waren durch und durch erstaunt von der atemberaubenden Flora.
Mittlerweile gut hungrig haben wir uns das Frühstück schmecken lassen, danach ging es nach einer kurzen Packpause weiter. Ein knapp 4 Stunden Weg, gar nicht so einfach bei dem matschigen Boden. Es hatte die Nacht durchgeregnet, die Wanderungen verliefen allerdings trocken. Das Highlight für mich waren heute definitiv die Paviane, erst hörte man die Laute und wenn dann die Baumwipfel wackeln waren sie nichtmehr weit. Insgesamt sind wir 20 km marschiert.
Unsere Rückfahrt war den Umständen entsprechend, nach einer Polizei- und Ausweiskontrolle wurden Lena, Mareike und ich in Kakamega abgesetzt, von dort nahmen wir ein Matatu nach Bungoma. Es gibt Shuttles, welche etwas teurer sind und durchfahren und normale Matatus. Ok, normalerweise gibt es Shuttles, in Kakamega gab es keine. Also rein ins Matatu, 15 Sitzplätze inklusive Fahrer, wir sind mit durchschnittlich 22 Leuten gefahren, mal sind ein paar hinzugekommen, mal ein paar ausgestiegen. Nach der 90-minütigen Fahrt spürte ich meine Füße beim Aussteigen nichtmehr, immerhin war diesmal kein Huhn dabei.
Heute kam eine neue Sister zu Besuch, wir haben uns etwas beim Nachmittagstee ausgetauscht. Sie war sehr erstaunt, als ich das Geschirr in die Küche geräumt hab. „Warum muss der Gast denn hier sein Geschirr aufräumen?“. Von Sister Josefine kam die Antwort, dass sie heute der Gast ist, ich sei hier zuhause. Sowas freut einen natürlich. Abends sind wir dann doch wieder zu Ugali und Sukuma zurückgekehrt, dazu gab es Kartoffeln und Hähnchen.

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