Tag 19

Um 8:30 Uhr wurde uns ein Bus nach Kitale (und von dort aus zum Eingang vom Park) von den Sistern organisiert. 300 KSh pro Person, garnicht so teuer für den weiten Weg. Ab jetzt sind wir auf uns gestellt, drei Mzungus die versuchen einen Ausflug in den Mount Elgon Park zu machen. Die Fahrt war entspannt, anderthalb Stunden gingen schnell um. In Kitale angekommen wurden wir direkt von einer Menschenmenge belagert. Wo wir hinwollen, hier geht’s am schnellsten… Wir haben uns garnicht aus dem Bus getraut bis der Fahrer zu uns kam und die Situation erklärt hat. Der Bus fährt nicht zum Park (nunja das war eigentlich anders abgemacht) und wir könnten jetzt ein privates Auto zum Park nehmen. Der Preis war vollkommen überzogen, nach ein bisschen hin und her hatten wir uns aber geeinigt. Ab geht’s zum Parkeingang!
Das Auto war ein etwas älteres Modell irgendeiner japanischen Firma (das Navigationssystem war auf Japanisch eingestellt). Damit ging es dann über Stock und Stein eine schier endlos lange Straße zum Park entlang. Dort angekommen sollten wir den Eintritt per Karte zahlen, kein Problem. Oder doch. Als ich die PIN eingeben wollte stürzte das Kartengerät ab. Low Battery. Alles klar meinte die Rangerin, einfach paar Minuten warten und nochmal versuchen. Jetzt zeigte das Gerät schon low battery an als die Karte eingeführt wurde, super. Mir wurde gesagt meine Karte wäre kaputt. Ich sagte, das Gerät hat keine Batterie. Nach weiterem hin und her ließen wir den Preis in KSh Bar vor Ort und einigten uns auf einen weiteren Versuch wenn wir zurück sind. Natürlich mussten wir auch noch mit dem Fahrer verhandeln, der hatte uns schon angeboten in den Park zu fahren. Nach 10-minütigen Feilschen ging es dann los, wir hatten noch einen Guide dabei.
Auf dem ersten Kilometer sind wir schon an Zebras, Affen und Büffeln vorbeigefahren. Aha, der Büffel. Das erste der Big 5 in Kenia – check. Unserem Fahrer schien es auch zu gefallen, er schoss genauso fleißig wie wir Bilder von den Tieren. So langsam musste das Auto zeigen, was die japanische Industrie drauf hat. Es ging steile steinige Wege bei Nässe hoch und runter, den meisten Schlaglöchern und Steinen wurde gekonnt ausgewichen. Affen springen über uns von Baum zu Baum und man hört ziemlich laute Geräusche von den Insekten. Nach der Besichtigung eines Wasserfalls ging es weiter zu einer Höhle. Wir wanderten den Weg entlang, als uns plötzlich eine andere Gruppe entgegenkommt. Kenianische Inder, wie sich herausstellte. Auf einmal waren nichtmehr der Wald und die Tiere sondern wir die Attraktion. 500 Fotos später verabschiedeten die sich schließlich, wir gingen weiter zur Höhle.
Diese sah von außen unscheinbar aus, war jedoch 164m lang. Rein gings ins Dunkel, wir hatten ja alle Taschenlampen dabei. Der Boden bestand aus einem leicht federnden Belag der sich später als getrockneter Elefantenkot herausstellte. Unheimlicher Lärm kam aus allen Ecken von hunderten Fledermäusen, wir gingen weiter hinein. Fast schon unheimlich im Licht der Taschenlampen bewunderten wir die Kristalle, welche aus alte Pflanzen und Bäume entstanden sind. Die Wände waren von den Elefanten abgeschabt, das Gestein ist hier porös und salzhaltig. Was für riesige Tiere das sind konnte man an den Fußspuren erahnen. Diese verbringen die Nacht oft in dieser Höhle. Wir kletterten über Steine, vorbei an tiefen Spalten. In einer lag das Skelett einer Antilope, diese wurde wohl gejagt und ist hierhin geflüchtet. Es gab kleine Nebengänge und man vermutet, dass diese Höhle noch deutlich größer ist und eventuell mit einer anderen, welche sich in Uganda befindet, verbunden ist. Wir waren dann doch etwas erleichtert als wir wieder ans Tageslicht kamen.
Weiter ging unsere Fahrt, uns wurde noch einiges über die Bäume und parasitäre Pflanzen beigebracht. Ein Wasserfall zu unserer linken, das Wasser floss wie ein Fluss über den Weg. Ich dankte den Japanern für den Frontantrieb, der hat uns schon mehrmals gerettet. Gleichzeitig wurden die Reifen wieder sauber. Nächster Halt war ein Aussichtspunkt, wir waren auf etwa 2,400m Höhe (Ach ja, Kenia ist relativ gebirgig und liegt generell ziemlich hoch) und man konnte wunderbar die Spitze des Mount Elgon sehen. Es gibt hier viel Landwirtschaft, jeder ist praktisch Selbstversorger und baut sein eigenes Essen an. Von dort oben sieht man die Häuser gleichmäßig in der Landschaft verteilt, es gibt aber keine Dörfer wie bei uns. Land ist hier nochmal anders definiert.
Unser Fahrer wollte wenden. Wollte. Man hörte nur ein Knarzen und der halbe Kotflügel hatte sich gelöst. Kein Problem, auf der Seite waren die Nieten eh durch Schrauben ausgetauscht, schnell den Schlüssel hervorgeholt und das ganze wieder befestigt. Wie neu! Dann fuhren wir auf der steinigen Straße zum Eingangstor und die gleiche Strecke zurück nach Kitale. Natürlich hielt der geflickte Kotflügel nicht lange und wurde nach einer kraftvollen Demontage im Kofferraum aufbewahrt. In Kitale gings mit dem Bus zurück nach Bungoma, von dort im Tucktuck (das sind diese dreirädrigen Fahrzeuge die man aus Italien kennt) zum Konvent. Wir sind froh den Tag erfolgreich in diesem Land gemeistert zu haben, es war der beste Ausflug bis jetzt!

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