Tag 16

Die Kenianer haben relativ harte Matratzen. Warum ich das hier schreibe? Nun scheinbar ist mein europäischer Rücken so etwas nicht gewohnt. Es ist nicht unbequem, trotzdem anders und man braucht erstmal ein bisschen Eingewöhnung. Während wir noch im Halbschlaf in das Gemeinschaftszimmer gingen, kamen die Schwestern gerade von der Messe zurück. Wir frühstückten gemeinsam und dann ging es auch schon in die Klinik. Als ich gesehen habe, dass an manchen Tagen nur ein Patient gekommen ist, hatte ich mich schon auf einen relativ uninteressanten Tag eingestellt. Wir hatten jedoch mehrere Extraktionen, eine Endo und mehrere Füllungen. Da es nur einen Behandlungsstuhl gab, konnten wir uns entspannt abwechseln.
Das Highlight an diesem Vormittag war für mich das Entwickeln der Röntgenbilder. Die Konstanzprüfung des Röntgengerätes bestand aus dem Anfertigen eines Bildes von einem Sondengriff. Dieser war zwar zu erkennen, habe aber auch schonmal bessere Bilder gesehen. Ich wollte unbedingt wissen, wie das Entwickeln hier abläuft, bin also bei dem nächsten Röntgenbild mit Ivan (dem zweiten Zahnarzt neben Sister Sunya) zum Entwickler mitgekommen. Wir befanden uns in einem Raum mit einem anderen Röntgengerät und wurden kurzerhand von einem etwas korpulenten Mann (der sich später als eine Art Radiologe vorstellte) rausgeschickt. Dieser musste noch eben ein Thorax Röntgenbild anfertigen. Alles klar, danach hat er netterweise für uns die Entwicklerflüssigkeit angemischt. Vorher noch eben ‘ne Tasse gespült, dann 5 Flüssigkeiten zusammengekippt und schließlich mit einem abgebrochenen Besenstiel umgerührt. Das Ganze sollten wir noch 15 Minuten stehen lassen. Kurz den Kollegen Bescheid gesagt, die hatten alles unter Kontrolle und behandelten währenddessen einen zweiten Patienten. Wir also wieder runter, ab in die Dunkelkammer. Ich schloss die Tür, es war schwarz. Komplett dunkel, es gab kein rötliches Licht oder sonst irgendwas. Ich hörte nur noch Ivans Stimme und spürte den Boden unter meinen Füßen. Er fragte mich, wie lange das Bild in die Entwicklerflüssigkeit sollte. Keine Ahnung, bei uns läuft das durch ‘ne Maschine und fertig. Wie lange lässt man das hier normalerweise drinnen? Unterschiedlich. Alles klar. Nach ein paar Sekunden meinte er, das müsste reichen. Ab in die zweite Flüssigkeit (vermutlich Stabilisator oder sowas). Fertiges Röntgenbild. Man konnte zumindest ein bisschen etwas erkennen, genug um die Endo abzufüllen.
Nach der Behandlung sind wir mit der Sister in die Stadt gefahren, kurz in den Supermarkt und auf den Marktplatz. Zurück kamen wir mit Linsen und einem Sack Kartoffeln. Aus meiner nachmittags Lesestunde wurde ein Nachmittagsschlaf, bin perfekt zum Abendessen wieder aufgewacht. Es gab Bohnen mit dem nationalen grünen Gemüse, dessen Name mir immer entfällt, Hähnchen, Reis, Avocado und natürlich Ugali. Avocado gibt es hier zu jeder Mahlzeit, die kosten hier nichts und sind ungefähr doppelt bis dreifach so groß wie in Deutschland. Zum Nachtisch hatten wir Wassermelone und Ananas.

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