Tag 3

So langsam kommt man in die Morgenroutine rein: Aufstehen, ins Bad, Umziehen, Malaria Prophylaxe nehmen, Frühstücken (es gab wieder Omelette), Sonnencreme, Anti Mückenspray. Ab zur Dental Unit, wir wurden schon erwartet. Der Vormittag war für einen Freitag sehr ereignisreich, ein Kind bekam 2 bleibende Prämolaren gezogen damit für die KFO Behandlung genug Platz vorhanden ist. Bei einem anderen Kind sollte der 44 entfernt werden, dieser war jedoch kaum durchgebrochen und vom 45 bedeckt. Kurzfristige Änderung der Planung, 45 wurde extrahiert. Die Kinder sind hier super tapfer und haben sich über die Schleichtiere sehr gefreut. Die Komposit Füllung in 15 min habe ich nicht ganz geschafft, musste aber auch der halbe Zahn aufgebaut werden. Patient war zufrieden, meine Assistentin auch, ich schweißgebadet. Erinnert mich irgendwie an etwas..
Wir durften heute auch die Augenklinik begutachten, der Name Optiker wäre wohl besser gewesen. Es gab eine Sehtesttafel und verschiedene Brillengestelle zur Auswahl. Der Arzt sagte, dass sich die Ausstattung in dem folgenden Jahr deutlich verbessern würde, es kommen verschiedene Ärzte aus Europa zu Besuch welche bei dem Ausbau helfen werden.
Mittags gab es wieder Hühnchen mit warmen Kohl(salat?) und Pommes. Also über das Essen kann ich mich echt nicht beklagen!
Nach getaner Arbeit sind wir mit einer Auszubildenden in die Stadt gegangen. Dort haben wir unsere andere Kollegin beim Friseur besucht, die kenianischen Frauen geben pro Monat rund 1.800 KSh (ca. 15€) dafür aus. Dann gibt es immer die neuesten Trends, die Haare werden teilweise mit farbigen Strähnen verflochten und zu einer (für uns definitiv extravaganten) Frisur gestylt, je nachdem was gerade auf den social media Plattformen angesagt ist. Nebenan war eine Zahnarztpraxis, der Behandlungsraum ist etwa so groß wie die Behandlungskoje in Bonn (8qm?). Auf den Straßen konnte man überall Obst und Gemüse kaufen, an jeder Ecke wurden Maiskolben gegrillt oder man konnte sich wiegen und messen lassen. Es ist einfach nicht mit Europa zu vergleichen. Die Straßen sind voller Autos und Kleinbusse, zwischen denen unzählige Rollerfahrer unterwegs sind. Bürgersteige gibt es nicht. In den Bussen die normalerweise für 9 Leute ausgelegt waren sah man manchmal gut und gerne bis zu 16 Leute drinsitzen, teilweise mit den Oberkörpern schon aus den Türen hängend. Zwischendrin zogen Männer Karren beladen mit 40 Wasserkanistern, jeweils 20 Liter fassend. Nachdem wir in einem Restaurant das heimische Tusker Bier probiert haben, machten wir uns auf den Rückweg. Wir kauften eine riesige Avocado für 30 KSh und kamen gerade rechtzeitig vor dem Regen im Krankenhaus an. Ich dachte der Kulturschock wäre einmalig, aber es überrascht mich tatsächlich jeden Tag aufs Neue wie es hier zugeht. Wir sind in einer Großstadt mit 400k Einwohnern, im Westen Kenias. Hier findet sich einfach nichts das auch nur im Entferntesten mit Tourismus zu tun haben könnte.
Wochenende.

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