Tag 2

6:50 klingelt der Wecker. Da das Bad Holztür mit Löchern und einen 5cm Spalt besitzt war es mir nicht ganz geheuer um diese Uhrzeit die Toilette zu benutzen, da auf der anderen Seite der Tür gekocht wurde.
Zum Frühstück gab es spanisches Omelette und Toast mit Ananas und Pflaumenmarmelade. Um 8 Uhr wurden wir zur Frühbesprechung abgeholt. Natürlich mussten wir uns auch vorstellen und haben dabei gemerkt, dass Mareike und Moritz nicht leicht auszusprechen sind. Mareike wurde direkt zu Malaika (Kiswahili für Engel).
Nach einer ausgiebigen Führung durch die Klinik haben wir erst realisiert, wie riesig diese ist. Es gibt immer mindestens 65 Mitarbeiter, manchmal auch über 100. Sogar eine MKG Abteilung ist vorhanden. Zuletzt kamen wir auf die Dentalstation und wurden dort von Davine und (setze einen schwer aussprechbaren Namen hier ein) begrüßt. Zusätzlich gab es noch Sharon die sich um die Zahntechnik kümmert. Sr Fabian, welche eigentlich der Zahnarzt in der Klinik ist, ist zurzeit nicht zuhause und irgendwie wusste auch keiner genau wann sie wiederkommen wird. Alles klar, wir schmeißen den Laden schon irgendwie. Einmal alle Schubladen checken und dann sind wir unsere mitgebrachten Mundschütze und Handschuhe holen gegangen. Kaum zurück, kam schon der erste Patient. Dieser hatte eine Uniform an und ist im Dienst der Klinik als Wache angestellt wie sich später herausstellte. 14 Karies profunda distal. Alles klar, er hat Nachtschmerz. Ansonsten gepflegte Zähne, zu mehr wurde mir keine Zeit gegeben. Keine Sens probe, lediglich Perkussionstest. Mir wurde gesagt der 14 muss raus. Auf meine Nachfrage wieso wir keine Füllung machen wurde nur gesagt, dass er für die endodontische Behandlung kein Geld zu Verfügung hätte. Ich war mir immer noch unsicher, der Zahn war ansonsten gesund. Nachdem ich bei meinem Zögern nochmal ermuntert wurde doch endlich anzufangen, nahm ich die Spritze und anästhesierte den Zahn. Aufgrund der Sprachbarriere konnte ich ihn nicht fragen ob irgendetwas taub war, dies war aber nach einem Sondentest schnell belegt. Schön, wie ich das in der Chirurgie gelernt habe, nahm ich den Hebel nach Bein um das Ligamentum circulare zu lösen. Mein Assistent sah mich fragend an und riet mir, den Zahn einfach mit der Zange zu ziehen. Nunja ich habe einfach auf meine Art und Weise weitergemacht und nach ewigem luxieren kam der eben noch komplett feste Zahn endlich raus. Kein Zystengewebe hing am Zahn. Keine Wurzel abgebrochen. Ich war klatschnass geschwitzt. Ist die Kieferhöhle vllt eröffnet? Keine Zeit, Exkochleieren scheint hier auch nicht zur Standarttherapie zu gehören. Okay, Aufbisstupfer rein und fertig war die Behandlung. Dass in Kenia nicht alles so ablaufen würde wie ich es aus Bonn kennen würde war mir klar, aber wegen einer tiefen Karies einen Zahn extrahieren der ansonsten gesund war? Es tat mir echt selber weh als ich die intakte Zahnreihe auseinanderreißen musste.
Nächster Patient. 2 Zähne waren zu extrahieren, die Versicherung (die sich hier nicht viele Menschen leisten können) übernimmt nur einen auf einmal. Patient durfte entscheiden, wir zitterten mit. Nach getaner Arbeit klagte der Patient noch über den anderen Zahn. So leid es uns tat, wir mussten den Patienten auf einen anderen Termin vertrösten. Mittlerweile ist auch bei mir angekommen, dass man sich einfach über nichts mehr wundern darf, auch wenn es noch so komisch erscheint.
Nach 2 weiteren Patienten war Mittagspause, war der Zeitdruck beim ersten Patienten begründet? In Kenia arbeitet man schnell und effektiv.
Mittags gab es Hühnchen mit Tortillas und einem vom Aussehen Seegras ähnlichem Salat. Typischer Korriandergeschmack wie in vielen Gerichten hier, ziemlich lecker (wie irgendwie alles hier).
Zurück bei unseren Einheiten traten wir nach einem Klopfen ein. Daraufhin wurden wir mit einem „You don’t have to knock, it’s your office“ begrüßt. Alles klar. Donnerstags und Freitags ist immer wenig los, gegen Ende eines Monats kommen wohl auch weniger Patienten. Nach ein bisschen Zeitvertreib und Planung der kommenden 2 Wochenenden und Reisebesprechungen nach Nakuru hatten wir frei. Perfekt um einen kleinen Abstecher in die Stadt zu wagen. Es war komisch. Alle waren nett, aber alle haben uns angeschaut. Man kam sich vor wie ein Ausstellungsstück. Ein Schulbus voller Kinder jubelte uns zu, alle guckten aus den Fenstern. Wir haben während eines kleinen Regenschauers in der Tankstelle verweilt. Scheinbar hatten wir auch den falschen Weg zum Markt genommen. Nunja, wir vertagten das auf morgen und gingen zurück. Zuhause angekommen, mega müde, dunkel. Stromausfall. Mit einer kleinen batteriebetriebenen Lampe konnten wir eine romantische Stimmung erzeugen. Und dann gab es auch schon Abendessen, das Fleisch konnten wir noch nicht identifizieren, es war auf jedenfall eine sehr leckere.. Wie beschreibe ich das am besten? Es war lange gekochtes Fleisch mit eingekochter Tomatensauce. Jetzt nicht an die studentische Tomatensauce aus passierten Tomaten denken. Dazu gab es Kartoffelbrei und warmen Krautsalat. Strom ging wieder sobald das Essen auf dem Tisch stand. Timing! Am Samstag geht es auf eine kenianische Hochzeit. Mittlerweile habe ich keine Ahnung mehr was ich erwarten darf oder sollte. Ich lass mich überraschen. Wir haben hier übrigens entspannte 24°C tagsüber.

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